Klimaanlage als Lebensretter: Vor- und Nachteile im Klimawandel

white smoke coming out from a building

Hitze ist längst kein mediterranes Randphänomen mehr, sondern betrifft seit den 2000er Jahren immer mehr deutsche Groß- und Kleinstädte. Vielerorts werden inzwischen Hitzeschutzpläne oder Klimaanpassungsmanager eingeführt und eingestellt. Wie wirkt sich Hitze auf unseren Körper und unsere Städte aus?

Maria Köpf, Redakteurin DEINE DOSIS

Es ist kurz nach drei Uhr morgens, doch die Wohnung speichert noch immer den Tag. Die Wände strahlen Wärme ab, als hätten sie sie eingesogen. In deutschen Städten werden solche Nächte häufiger. Asphalt, Beton und Glas – sie verwandeln Quartiere in Wärmespeicher. Was tagsüber auf 35 Grad steigt, sinkt nachts kaum unter 25.

Hitze ist längst kein mediterranes Randphänomen mehr. Laut Daten des Deutschen Wetterdienstes und des Umweltbundesamtes war 2022 das zwölfte Jahr in Folge, das über dem Referenzmittel von 1961 bis 1990 lag. Deutschland hat sich seit Beginn der Wetteraufzeichnungen bereits deutlich stärker erwärmt als im globalen Durchschnitt.

Doch Hitze ist mehr als eine statistische Kurve. Sie ist eine körperliche Erfahrung.

Wenn der Körper in Alarm gerät

Im Sommer 2003 starben in Deutschland nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts rund 7.600 Menschen hitzebedingt, 2006 etwa 6.200, 2015 rund 6.100. Der Epidemiologe Matthias an der Heiden analysierte mit seinem Team die Übersterblichkeit während extremer Hitzephasen im Rahmen einer vom Umweltbundesamt geförderten Studie.

Warum Hitze krank macht, beschreibt die Umweltmedizinerin Claudia Traidl-Hoffmann im Interview mit der Tagesschau: Mit jedem zusätzlichen Grad steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Thrombosen oder Schlaganfälle. Gleichzeitig entstehen in aufgeheizten Städten neue chemische Reaktionsprodukte aus Schadstoffen und Ozon, die Atemwege zusätzlich reizen.

Der Körper reagiert auf Hitze wie auf Stress: Gefäße weiten sich, der Blutdruck schwankt, das Herz pumpt schneller. Nachts fehlt die Abkühlung, die Erholung bleibt aus.

Der Griff zur Klimaanlage

Noch sind nur rund vier Prozent der deutschen Haushalte klimatisiert. Doch der Markt wächst. Das Umweltbundesamt geht davon aus, dass sich der Anteil bis 2030 verdoppeln könnte. Weltweit werden bereits über 100 Millionen Geräte pro Jahr verkauft – eine Entwicklung, die etwa Bloomberg in einer Analyse zu Hitzewellen und Klimageräten beschreibt.

Klimaanlagen retten Leben. Studien aus stark betroffenen Regionen zeigen, dass klimatisierte Räume die hitzebedingte Mortalität insbesondere bei älteren Menschen senken können.

Doch viele Geräte arbeiten mit teilfluorierten Kohlenwasserstoffen (HFKW). Ein verbreitetes Kältemittel wie R410A besitzt laut Umweltbundesamt ein Treibhauspotenzial, das rund 2.088-mal höher ist als das von CO₂.

Lebensretter mit Nebenwirkungen

Natürliche Kältemittel wie Propan (R290), Ammoniak oder Kohlendioxid besitzen dagegen ein deutlich geringeres Treibhauspotenzial, wie das Umweltbundesamt zu natürlichen Kältemitteln erläutert. Seit 2020 dürfen mobile Klimageräte in der EU nur noch mit einem GWP unter 150 verkauft werden.

Große Anlagen zeigen, dass klimafreundlichere Lösungen technisch möglich sind. Das Dienstgebäude des Umweltbundesamtes in Dessau nutzt beispielsweise eine solarthermisch unterstützte Kühltechnik.

Ein wachsender Markt in einer wärmer werdenden Welt

Allein die stationäre Klimatisierung verursachte 2017 rund 1,3 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent in Deutschland, wie Zahlen des Umweltbundesamtes zeigen.

Gleichzeitig verpflichtet das Klimaschutzgesetz den Gebäudesektor zu erheblichen Emissionsminderungen.

Das Dilemma ist offensichtlich: Wir brauchen Kühlung, um Menschen zu schützen – und riskieren, damit die Erderwärmung weiter anzutreiben.

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